Für Pädagog*innen

Wolle und Gack unterwegs

„Wolle und Gack machen Theater“ ist ein Antidiskriminierungsprojekt und richtet sich an Pädagog*innen, die mit Kindern im Alter von fünf bis zehn Jahren arbeiten. Mehr Infos finden Sie hier.

Es gibt verschieden Möglichkeiten, „Wolle und Gack machen Theater“ pädagogisch einzusetzen. Im Rahmen der Projektförderung des niedersächsischen Landesamts für Soziales, Jugend und Familie ist ein Moderationskoffer inkl. der Film-DVD, einem begleitenden Filmheft und verschiedenen Materialvorlagen entstanden. Dieser kann von interessierten Lehrkräften und Gruppenleiter*innen beim Projektträger EXIL – Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge e.V. angefragt werden. Darüber hinaus ermöglichen drei Praxismodule den Einsatz des Projektes im Unterricht oder im Rahmen von Gruppenveranstaltungen.

Bei Interesse oder Fragen hilft Ihnen die Projektleitung gerne weiter.

Workshop – 90 Minuten

In diesem Workshop besuchen die Exil-Projektleitung und ein/e Kolleg/in des Musiktheaters LUPE Ihre Klasse oder Gruppe. Nach einer kurzen Begrüßung und einer spielerischen Einführung in das Thema wird sich gemeinsam der Film in sequenziellen Abschnitten angeschaut. Im Anschluss erfolgt eine interaktive Erarbeitung der zentralen Botschaften durch die Expert*innen mit den Kindern. Zum Abschluss dient ein (spielerischer) Austausch der eigenen Erfahrungen mit den Themen Fremd-Sein, Verschieden-Sein und Ausgrenzung zur langfristigen Festigung der Inhalte.

Workshop – 180 Minuten

Dieser Workshop besteht aus zwei Phasen: die erste Phase ähnelt dem 90minütigen Workshop. Die Exil-Projektleitung und ein/e Kolleg/in des Musiktheaters LUPE besuchen Ihre Klasse oder Gruppe. Nach einer kurzen Begrüßung und spielerischen Einführung in das Thema erfolgt das gemeinsame Schauen des Films mit anschließender interaktiver Erarbeitung der zentralen Botschaften. Im Anschluss liegt der Fokus in der zweiten Phase auf der positiven Verstärkung der Gemeinschaft durch theater- und medienpädagogische Übungen. Die Kinder üben sich unter Anleitung der Expert*innen in gegenseitiger Wertschätzung, aber auch in der eigenen Identitäts- und Standpunktbildung.

Projektwoche

Auch der Projektwoche liegt die gemeinsame Rezeption des Films „Wolle und Gack“ zu Grunde. Darauf aufbauend entwickeln die Expert*innen des Musiktheaters LUPE gemeinsam mit den Kindern eine eigene Theaterproduktion zu den zentralen Filmthemen Integration und Toleranz. Die Kinder können sich dabei kreativ ausleben und in verschiedene Rollen schlüpfen.

Flucht und Migration

Hintergrundinformationen

Rund 80 Millionen Menschen auf der ganzen Welt befinden sich auf der Flucht oder in einer fluchtähnlichen Situation. Das ist von den Zahlen her so, als ob fast die gesamte deutsche Bevölkerung auf der Flucht wäre. Mit rund 60 Prozent sind die meisten Vertriebenen Binnengeflüchtete. Das bedeutet, dass sie innerhalb ihrer Heimatregion bleiben und dort an einem sichereren Ort Zuflucht suchen. Von den anderen 40 Prozent fliehen rund drei Viertel in ein angrenzendes Nachbarland. Dabei handelt es sich meist um Entwicklungsländer. Nur sehr wenige Geflüchtete kommen nach Europa (UNHCR, 2020).

Wer flüchtet und warum?

Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung haben Schreckliches gesehen und erlebt. Niemand von ihnen hat ihre Heimat freiwillig verlassen, weil sie lieber in Deutschland leben wollten oder keine Lust mehr auf ihr zu Hause hatten. Sie waren aus größter Not gezwungen. Das ist der wohl gravierendste Unterschied zwischen Migrant*innen und Geflüchteten. Migrant*innen haben ihre Heimat in der Regel freiwillig verlassen, um aus verschiedensten Gründen in ein anderes Land zu immigrieren. Geflüchtete hingegen haben ihre Heimat nicht freiwillig verlassen. Sie fliehen, weil…

  • …sie in einem Kriegsgebiet leben
  • …sie verfolgt werden (aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, politischen Ansichten, Religion oder Traditionen)
  • …sie hungern oder Armut leiden
  • …sie Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen ausgesetzt sind.

Folgen für die pädogische Arbeit

In der Arbeit mit Geflüchteten, aber auch bei der inhaltlichen Arbeit zum Themenfeld Flucht gilt es, diese Umstände stets im Hinterkopf zu behalten. Auch wenn Kinder und Jugendliche die Flucht nicht bewusst oder selbst erlebt haben, weil sie zum Beispiel noch zu jung waren oder bereits die Elterngeneration geflüchtet ist, können die Erfahrungen der Familienmitglieder Auswirkungen auf das Empfinden der Kinder haben. Das Thema Flucht kann daher trotzdem bestimmte Gefühle auslösen und sollte auch bei Anwesenheit von Kindern, deren Eltern oder Familienmitglieder Fluchterfahrung haben, mit Vorsicht vermittelt werden.

Antidiskriminierung & Toleranz

Was ist Toleranz?

Toleranz ist eine der wichtigsten Grundlagen für eine funktionierende Gesellschaft. Toleranz üben bedeutet das Respektieren von anderen Kulturen, Religionen, Interessen oder Einstellungen, unabhängig davon, ob sie mit unseren eigenen Ansichten übereinstimmen. Es bedeutet jedoch nicht, die eigenen Überzeugungen zu schwächen, herabzusetzen oder gar zu leugnen. Einem toleranten Zusammenleben liegen eben gerade unterschiedliche Denkens- und Handlungsmuster zugrunde. Wichtig dabei ist, dass sie mit den allgemeingültigen Menschenrechten konform sind (UNESCO, 1995). Radikalen oder extremistischen, gewaltverherrlichenden oder diskriminierenden Ansichten bedarf es daher keiner Toleranz.

Toleranz und Akzeptanz

Das Wort Toleranz stammt aus dem Lateinischen. tolerare bedeutet übersetzt etwas oder jemanden zu dulden oder zu ertragen. In der Regel handelt es sich dabei um Einstellungen, Positionen oder Merkmale, die von unseren eigenen abweichen. Mit dem Begriff des Tolerierens wird demnach nicht ausgedrückt, dass wir die Denkens- bzw. Verhaltensmuster unseres Gegenübers gutheißen – anders als bei dem Begriff der Akzeptanz. Das lateinische Wort accipere bedeutet übersetzt so viel wie annehmen, billigen oder gutheißen. Etwas zu akzeptieren bedeutet demnach, mit etwas einverstanden zu sein. Der Begriff geht mit einer auf freiwilliger Basis positiven Bewertung einher (Bundeszentrale für politische Bildung, 2019).

Literatur- und Internettipps

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